Alles im Blick müssen Fernsteuerer wie Immanuel Konschak (rechts) haben. Er trainiert noch am Simulator, um später die Aufgaben eines Containerbrückenfahrers (links) zu übernehmen. Der Arbeitsplatz im Büro ist ergonomischer gestaltet als in der gläsernen Kanzel.
Technische Neuerungen und verbesserte Prozesse haben die Hafenlogistik in Hamburg schon immer verändert. Bei der HHLA stellen sich die Mitarbeitenden darauf ein und gehen jetzt einen weiteren Schritt in Richtung Zukunft.
Der Winter im Hamburger Hafen kann ziemlich ungemütlich sein. Bei Temperaturen kurz über null Grad und heftigem Wind zieht es Immanuel Konschak nicht unbedingt an die Kaikante des Container Terminal Altenwerder (CTA). Statt in schwindelerregender Höhe in der Kanzel eines Containerkrans zu sitzen, arbeitet er heute im Warmen – vor mehreren Bildschirmen in einem modernen Fernsteuerstand. Seit 2007 ist Konschak im Hafen tätig und hat sich laufend weiterqualifiziert. Dank mehrerer „Patente“ genannter Befähigungsnachweise darf er verschiedene schwere Geräte führen. Sein nächstes Ziel: die Fernsteuerung von Containerbrücken. Noch trainiert Konschak an einem hochmodernen Simulator im digitalen Trainingszentrum des „maritimen competenzcentrums ma-co“. Doch die Zukunft ist bereits eingetroffen: Neue, ferngesteuerte Containerbrücken werden auf dem Terminalgelände zusammengesetzt, fast wie ein überdimensionierter Baukasten. Der größte Unterschied zu ihren Vorgängern: Sie haben keine Kanzel mehr für den Brückenfahrer. Stattdessen werden speziell ausgebildete Hafenarbeiter sie aus dem Fernsteuerstand im Bürogebäude steuern.
Die Zukunft ist bereits eingetroffen
Neu ist diese Entwicklung allerdings nicht für den CTA. Als einer der Terminals mit dem höchsten Automatisierungsgrad in Europa sind hier bereits mehr als 100 Fernsteuerer im Einsatz. Dennis Winzer ist einer von ihnen. Er beschreibt seinen Job so: „Wir Fernsteuerer müssen alles im Blick behalten und in schwierigen Situationen schnell eingreifen. Durch unsere Qualifizierung mit mehreren Patenten werden wir für wechselnde Tätigkeiten eingesetzt. Das macht die Arbeit abwechslungsreich und spannend.“ Seine Kollege Konschak fügt hinzu: „Wenn du dich auf der Brücke vier Stunden vorneüberbeugst, um unten die Container zu sehen, dann macht sich das gesundheitlich bemerkbar. Das ist im Büro anders.“ Jobs als Fernsteuerer haben also einige Vorteile. Die Spezialisten arbeiten in ergonomisch ausgestatteten Büros, was die Arbeit auf dem Containerterminal auch inklusiver macht, zum Beispiel für Menschen, deren Mobilität aus verschiedenen Gründen eingeschränkt ist.
Ferngesteuerte Containerbrücke mehr lesen
Eine sicherere und komfortablere Arbeitsumgebung gehört zu den Vorteilen im Kampf um qualifizierte Fachkräfte. In Deutschland fehlen derzeit zum Beispiel zwischen 70.000 und 100.000 Berufskraftfahrerinnen oder -fahrer, und jedes Jahr gehen weitere in Rente. In Japan ist der Arbeitskräftemangel schon fast eine bedrohliche Realität. Dort diskutieren die Gewerkschaften konstruktiv über weitgehende Automatisierung, weil immer weniger Arbeiter teilweise sogar wachsende Mengen bewegen müssen.
Chancen und Sorgen
Und die Herausforderungen könnten noch größer werden, falls Prognosen des Global Maritime Forums zutreffen. Eine Studie schätzt, dass bis zum Jahr 2050 bis zu vier Millionen ganz neue Arbeitsplätze allein in der maritimen Branche entstehen könnten, um die Transportprozesse und -technologien klimaneutral und nachhaltiger zu gestalten. Zusätzlich bringen Innovationen in der Robotik oder die Drohnentechnologie neuartige Berufsbilder in der Logistik hervor. Doch woher sollen all diese Fachkräfte kommen?
40 Tonnen zu bewegen war 1875 noch mit Muskelkraft möglich, dank Zahnrädern und Kontergewicht. Trotz Kraftumlenkung musste viel gekurbelt werden.
Die eleganten, aber vom Wind abhängigen Großsegler wurden von Dampfschiffen verdrängt, die wiederum den Stückgutfrachtern mit Dieselmotor weichen mussten. Um sie zu entladen, waren Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu 12.000 Schauerleute im Hamburger Hafen tätig. Für die Abfertigung eines einzigen Schiffes wurden 200 bis 500 Menschen auf Tagesbasis verpflichtet, die zwischen Kaikante und Lagerschuppen hin und her eilten. Bei der harten und gefährlichen Arbeit half ihnen nur eine einfache Kaikarre, die sie mit reiner Muskelkraft bewegten.
Die aktuellen Veränderungen, die durch fortschreitende Automatisierung, künstliche Intelligenz oder Klimawandel entstehen, lösen sehr unterschiedliche Reaktionen aus. Während viele Unternehmen und Arbeitnehmer die Entwicklung als Chance sehen, gibt es auch Sorgen. Schließlich bedeutet Fortschritt auch, neue Fähigkeiten zu erlernen und sich anzupassen. Doch der technologische Wandel ist eine unvermeidliche Konstante der Geschichte.
Technologiesprung: Seit 1925 wurden neuartige Elektrokarren im Hafen eingesetzt.
Sie konnten 10.000 Sack Zucker ebenso schnell umsetzen wie zehn Sackkarrenschieber.
Heute beherrschen riesige Containerschiffe den weltweiten Warenverkehr und Containerbrücken dominieren die Skylines der Hafenstädte. Die Arbeiter und Angestellten passten sich dem an, erwarben Patente für Reachstacker und Van-Carrier, erlernten Berufe wie den des Seegüterkontrolleurs – von denen manche inzwischen schon wieder verschwunden sind. Wer früher mit Stift, Lineal und größter Sorgfalt Ladelisten geschrieben hatte, gab bald Containerdaten in die ersten Computer ein.
Lebenslanges Lernen wird zur Norm
Auch auf den zunehmend automatisierten Hafenterminals verändern sich die Anforderungen an die Belegschaft. Lebenslanges Lernen werde zur Norm, betont Torben Seebold, Personalvorstand der HHLA: „Die beruflichen Anforderungen ändern sich stetig, weshalb Weiterqualifikationen wichtiger werden – vielleicht auch mehrmals über die gesamte berufliche Laufbahn hinweg.
Der Mensch bleibt im Hafen unverzichtbar
Wir haben progressive Vereinbarungen auf den Weg gebracht, mit denen wir den technologischen Fortschritt zur Steigerung unserer Wettbewerbsfähigkeit nutzen und gleichzeitig die passgenaue Qualifikation der Beschäftigten ermöglichen. Zusätzlich spielen moderne Arbeitszeitsysteme und eine flexible Personaleinsatzplanung eine wichtige Rolle. Nur in Zusammenarbeit mit den Beschäftigten können wir diese gewaltige Transformation erfolgreich gestalten.“
Eine gewaltige Transformation
Wie können solche Leitbilder praktisch umgesetzt werden? Welche Auswirkungen haben Digitalisierung und Automatisierung auf konkrete Tätigkeiten, welche spezifischen, neuen Kompetenzen werden benötigt? Solche Fragen untersucht und beantwortet das Projekt PortSkill 4.0, zu dem die HHLA einen wichtigen Beitrag leistet. Auf ihrem Terminal CTA kommen modernste Technik, vernetztes Lernen und die Analyse künftiger Jobanforderungen zusammen. Hand in Hand mit dem „maritimen competenzcentrum ma-co“ und weiteren Verbundpartnern wurde hier eine zukunftsorientierte Plattform zur Qualifizierung von Fachkräften geschaffen. Trainings- und Lerninhalte werden im Rahmen von PortSkill 4.0 getestet und nach Projektende auch öffentlich verfügbar gemacht.
Funkzentrale: Anfang der 1970er wurde noch manuell gesteuert, was heute die Software optimiert.
Herzstück des Trainingszentrums ist eine große Videowand mit sechs Bildschirmen, die zusammen mit Kontrollpulten als Leitstand dient. Ergänzend stehen Fernsteuerstände etwa für Containerbrücken, Lager- und Bahnkräne sowie ein Raum mit Virtual-Reality-Anwendungen für immersive Schulungen zur Verfügung. Der CTA ist mit den ma-co-Standorten in Hamburg und Bremen verbunden, sodass übergreifend in einer gemeinsamen virtuellen Umgebung trainiert werden kann. Die Forschungsinitiative IHATEC II des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) fördert das Projekt, das ab Ende 2025 für die deutsche Hafenwirtschaft zugänglich sein soll. Parallel dazu läuft das Förderprogramm DigiRemote2030, mit dem die HHLA bereits die Weiterbildung der ersten 50 Containerbrückenfahrer gestartet hat. Sie wurden im Laufe des Jahres 2025 auf ihre neue Tätigkeit als Fernsteuerer vorbereitet. Nach intensiven Jobanalysen und Interviews mit den Beschäftigten starten ihre individuellen Trainingseinheiten. Immanuel Konschak vom CTA gehörte zu den Ersten.
„Für uns sind Investitionen in die Menschen mindestens genauso wichtig wie Investitionen in Zukunftstechnik.“
Torben Seebold,
Personalvorstand der HHLA, bei der Eröffnung des neuen digitalen Trainingszentrums von ma-co:
„In mehreren Forschungs- und Praxisprojekten loten wir aus, wie sich unsere Mitarbeitenden zielgenau und mit modernsten Methoden weiterbilden können. Ihre qualifikatorische Weiterentwicklung stellt einen kritischen Erfolgsfaktor für den Erhalt und den Ausbau unserer Wettbewerbsfähigkeit dar. Die deutsche Hafenwirtschaft hat das erkannt und setzt für die Aus- und Weiterbildung ihrer Beschäftigten ganz neue Maßstäbe.“
Sein Beispiel zeigt: Der Mensch bleibt im Hafen unverzichtbar. Das zeigt auch die Zahl der Arbeitsplätze, die nach Angaben der Arbeitsagentur seit mehr als zehn Jahren stabil bei mehr als 13.600 liegt. Eines wird im Rückblick auf die Geschichte klar: Wäre der Hamburger Hafen bei den Modernisierungen seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht vorangegangen, hätte er seine Rolle als wettbewerbsfähiger „Welthafen“ längst verloren.
Virtuelle Realität: Mit virtueller Unterstützung (hier bei HHLA Sky) können Menschen besser entscheiden.
Weniger Arbeiter stehen bereit, um teilweise wachsende Mengen zu bewegen
Alles im Blick müssen Fernsteuerer wie Immanuel Konschak (oben) haben. Er trainiert noch am Simulator, um später die Aufgaben eines Containerbrückenfahrers (unten) zu übernehmen. Der Arbeitsplatz im Büro ist ergonomischer gestaltet als in der gläsernen Kanzel.
Technische Neuerungen und verbesserte Prozesse haben die Hafenlogistik in Hamburg schon immer verändert. Bei der HHLA stellen sich die Mitarbeitenden darauf ein und gehen jetzt einen weiteren Schritt in Richtung Zukunft.
Der Winter im Hamburger Hafen kann ziemlich ungemütlich sein. Bei Temperaturen kurz über null Grad und heftigem Wind zieht es Immanuel Konschak nicht unbedingt an die Kaikante des Container Terminal Altenwerder (CTA). Statt in schwindelerregender Höhe in der Kanzel eines Containerkrans zu sitzen, arbeitet er heute im Warmen – vor mehreren Bildschirmen in einem modernen Fernsteuerstand. Seit 2007 ist Konschak im Hafen tätig und hat sich laufend weiterqualifiziert. Dank mehrerer „Patente“ genannter Befähigungsnachweise darf er verschiedene schwere Geräte führen. Sein nächstes Ziel: die Fernsteuerung von Containerbrücken. Noch trainiert Konschak an einem hochmodernen Simulator im digitalen Trainingszentrum des „maritimen competenzcentrums ma-co“. Doch die Zukunft ist bereits eingetroffen: Neue, ferngesteuerte Containerbrücken werden auf dem Terminalgelände zusammengesetzt, fast wie ein überdimensionierter Baukasten. Der größte Unterschied zu ihren Vorgängern: Sie haben keine Kanzel mehr für den Brückenfahrer. Stattdessen werden speziell ausgebildete Hafenarbeiter sie aus dem Fernsteuerstand im Bürogebäude steuern.
Die Zukunft ist bereits eingetroffen
Neu ist diese Entwicklung allerdings nicht für den CTA. Als einer der Terminals mit dem höchsten Automatisierungsgrad in Europa sind hier bereits mehr als 100 Fernsteuerer im Einsatz. Dennis Winzer ist einer von ihnen. Er beschreibt seinen Job so: „Wir Fernsteuerer müssen alles im Blick behalten und in schwierigen Situationen schnell eingreifen. Durch unsere Qualifizierung mit mehreren Patenten werden wir für wechselnde Tätigkeiten eingesetzt. Das macht die Arbeit abwechslungsreich und spannend.“ Seine Kollege Konschak fügt hinzu: „Wenn du dich auf der Brücke vier Stunden vorneüberbeugst, um unten die Container zu sehen, dann macht sich das gesundheitlich bemerkbar. Das ist im Büro anders.“ Jobs als Fernsteuerer haben also einige Vorteile. Die Spezialisten arbeiten in ergonomisch ausgestatteten Büros, was die Arbeit auf dem Containerterminal auch inklusiver macht, zum Beispiel für Menschen, deren Mobilität aus verschiedenen Gründen eingeschränkt ist.
Ferngesteuerte Containerbrücke mehr lesen
Eine sicherere und komfortablere Arbeitsumgebung gehört zu den Vorteilen im Kampf um qualifizierte Fachkräfte. In Deutschland fehlen derzeit zum Beispiel zwischen 70.000 und 100.000 Berufskraftfahrerinnen oder -fahrer, und jedes Jahr gehen weitere in Rente. In Japan ist der Arbeitskräftemangel schon fast eine bedrohliche Realität. Dort diskutieren die Gewerkschaften konstruktiv über weitgehende Automatisierung, weil immer weniger Arbeiter teilweise sogar wachsende Mengen bewegen müssen.
Chancen und Sorgen
Und die Herausforderungen könnten noch größer werden, falls Prognosen des Global Maritime Forums zutreffen. Eine Studie schätzt, dass bis zum Jahr 2050 bis zu vier Millionen ganz neue Arbeitsplätze allein in der maritimen Branche entstehen könnten, um die Transportprozesse und -technologien klimaneutral und nachhaltiger zu gestalten. Zusätzlich bringen Innovationen in der Robotik oder die Drohnentechnologie neuartige Berufsbilder in der Logistik hervor. Doch woher sollen all diese Fachkräfte kommen?
40 Tonnen zu bewegen war 1875 noch mit Muskelkraft möglich, dank Zahnrädern und Kontergewicht. Trotz Kraftumlenkung musste viel gekurbelt werden.
Die aktuellen Veränderungen, die durch fortschreitende Automatisierung, künstliche Intelligenz oder Klimawandel entstehen, lösen sehr unterschiedliche Reaktionen aus. Während viele Unternehmen und Arbeitnehmer die Entwicklung als Chance sehen, gibt es auch Sorgen. Schließlich bedeutet Fortschritt auch, neue Fähigkeiten zu erlernen und sich anzupassen. Doch der technologische Wandel ist eine unvermeidliche Konstante der Geschichte.
Die eleganten, aber vom Wind abhängigen Großsegler wurden von Dampfschiffen verdrängt, die wiederum den Stückgutfrachtern mit Dieselmotor weichen mussten. Um sie zu entladen, waren Anfang des 20. Jahrhunderts bis zu 12.000 Schauerleute im Hamburger Hafen tätig. Für die Abfertigung eines einzigen Schiffes wurden 200 bis 500 Menschen auf Tagesbasis verpflichtet, die zwischen Kaikante und Lagerschuppen hin und her eilten. Bei der harten und gefährlichen Arbeit half ihnen nur eine einfache Kaikarre, die sie mit reiner Muskelkraft bewegten.
Technologiesprung: Seit 1925 wurden neuartige Elektrokarren im Hafen eingesetzt.
Sie konnten 10.000 Sack Zucker ebenso schnell umsetzen wie zehn Sackkarrenschieber.
Lebenslanges Lernen wird zur Norm
Auch auf den zunehmend automatisierten Hafenterminals verändern sich die Anforderungen an die Belegschaft. Lebenslanges Lernen werde zur Norm, betont Torben Seebold, Personalvorstand der HHLA: „Die beruflichen Anforderungen ändern sich stetig, weshalb Weiterqualifikationen wichtiger werden – vielleicht auch mehrmals über die gesamte berufliche Laufbahn hinweg.
Der Mensch bleibt im Hafen unverzichtbar
Wir haben progressive Vereinbarungen auf den Weg gebracht, mit denen wir den technologischen Fortschritt zur Steigerung unserer Wettbewerbsfähigkeit nutzen und gleichzeitig die passgenaue Qualifikation der Beschäftigten ermöglichen. Zusätzlich spielen moderne Arbeitszeitsysteme und eine flexible Personaleinsatzplanung eine wichtige Rolle. Nur in Zusammenarbeit mit den Beschäftigten können wir diese gewaltige Transformation erfolgreich gestalten.“
Eine gewaltige Transformation
Wie können solche Leitbilder praktisch umgesetzt werden? Welche Auswirkungen haben Digitalisierung und Automatisierung auf konkrete Tätigkeiten, welche spezifischen, neuen Kompetenzen werden benötigt? Solche Fragen untersucht und beantwortet das Projekt PortSkill 4.0, zu dem die HHLA einen wichtigen Beitrag leistet. Auf ihrem Terminal CTA kommen modernste Technik, vernetztes Lernen und die Analyse künftiger Jobanforderungen zusammen. Hand in Hand mit dem „maritimen competenzcentrum ma-co“ und weiteren Verbundpartnern wurde hier eine zukunftsorientierte Plattform zur Qualifizierung von Fachkräften geschaffen. Trainings- und Lerninhalte werden im Rahmen von PortSkill 4.0 getestet und nach Projektende auch öffentlich verfügbar gemacht.
Funkzentrale: Anfang der 1970er wurde noch manuell gesteuert, was heute die Software optimiert.
Herzstück des Trainingszentrums ist eine große Videowand mit sechs Bildschirmen, die zusammen mit Kontrollpulten als Leitstand dient. Ergänzend stehen Fernsteuerstände etwa für Containerbrücken, Lager- und Bahnkräne sowie ein Raum mit Virtual-Reality-Anwendungen für immersive Schulungen zur Verfügung. Der CTA ist mit den ma-co-Standorten in Hamburg und Bremen verbunden, sodass übergreifend in einer gemeinsamen virtuellen Umgebung trainiert werden kann. Die Forschungsinitiative IHATEC II des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) fördert das Projekt, das ab Ende 2025 für die deutsche Hafenwirtschaft zugänglich sein soll. Parallel dazu läuft das Förderprogramm DigiRemote2030, mit dem die HHLA bereits die Weiterbildung der ersten 50 Containerbrückenfahrer gestartet hat. Sie wurden im Laufe des Jahres 2025 auf ihre neue Tätigkeit als Fernsteuerer vorbereitet. Nach intensiven Jobanalysen und Interviews mit den Beschäftigten starten ihre individuellen Trainingseinheiten. Immanuel Konschak vom CTA gehörte zu den Ersten.
„Für uns sind Investitionen in die Menschen mindestens genauso wichtig wie Investitionen in Zukunftstechnik.“
Torben Seebold,
Personalvorstand der HHLA, bei der Eröffnung des neuen digitalen Trainingszentrums von ma-co:
„In mehreren Forschungs- und Praxisprojekten loten wir aus, wie sich unsere Mitarbeitenden zielgenau und mit modernsten Methoden weiterbilden können. Ihre qualifikatorische Weiterentwicklung stellt einen kritischen Erfolgsfaktor für den Erhalt und den Ausbau unserer Wettbewerbsfähigkeit dar. Die deutsche Hafenwirtschaft hat das erkannt und setzt für die Aus- und Weiterbildung ihrer Beschäftigten ganz neue Maßstäbe.“
Sein Beispiel zeigt: Der Mensch bleibt im Hafen unverzichtbar. Das zeigt auch die Zahl der Arbeitsplätze, die nach Angaben der Arbeitsagentur seit mehr als zehn Jahren stabil bei mehr als 13.600 liegt. Eines wird im Rückblick auf die Geschichte klar: Wäre der Hamburger Hafen bei den Modernisierungen seit Mitte des 19. Jahrhunderts nicht vorangegangen, hätte er seine Rolle als wettbewerbsfähiger „Welthafen“ längst verloren.
Virtuelle Realität: Mit virtueller Unterstützung (hier bei HHLA Sky) können Menschen besser entscheiden.
Weniger Arbeiter stehen bereit, um teilweise wachsende Mengen zu bewegen
Heute beherrschen riesige Containerschiffe den weltweiten Warenverkehr und Containerbrücken dominieren die Skylines der Hafenstädte. Die Arbeiter und Angestellten passten sich dem an, erwarben Patente für Reachstacker und Van-Carrier, erlernten Berufe wie den des Seegüterkontrolleurs – von denen manche inzwischen schon wieder verschwunden sind. Wer früher mit Stift, Lineal und größter Sorgfalt Ladelisten geschrieben hatte, gab bald Containerdaten in die ersten Computer ein.